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Deutschlands Lieblingsbambus stirbt... - Team BAMBUS-LINK, 20.10.2011 (Bambusblüte)


Deutschlands Lieblingsbambus stirbt... (Bambusblüte)

verfasst am 20.10.2011 von Team BAMBUS-LINK

Rückblick - aus der Presse vom April 1996
Quelle FOCUS.de Redakteur Axel Wolfsgruber


Deutschlands Lieblingsbambus stirbt weltweit – doch Händler verscherbeln das Riesengras weiter


Die Weisen Chinas horchen seit altersher auf den Geist des Bambus. Sie pflegen die Kunst des „Nachgebens und Zurückkommens“. Asiatisch flexibel ist auch Wolfgang Eberts, unser "Bambus-Papst aus Baden-Baden. Während seine Kollegen auf der Essener Frühjahrsmesse noch eifrig für Deutschlands beliebteste Bambussorte „Fargesia murielae“ warben, hatte Großgärtner Eberts still und leise die Marke gewechselt und „Phyllostachys“ eingetopft. Mitte vergangener Woche meldete er sich lautstark im grünen Handel zurück: „Fargesia murielae blüht und stirbt.“ Wer ihn jetzt noch verkaufe, sei unseriös.

Der Badener hat recht. Von Kiel bis Konstanz blüht das dem Tod geweihte Riesengras tatsächlich und mit jeder Blüte auch Eberts“ Geschäft mit dem Phyllostachys. Die Konkurrenz hingegen schleudert die Fargesia nun zu Dumpingpreisen auf den Markt oder in den Kompost.

Seit den 80er Jahren wissen Bambuskenner, wie es um die weltweit 30 Millionen Fargesia murielae steht. 1984 verdorrte das Gras in Dänemark. Hierzulande quellen bei einem Großteil der fünf Millionen Pflanzen seit dem Herbst auch für Laien ersichtlich hellgelbe Staubgefäße hervor. Die blühenden Gräser stellen die Photosynthese ein, werden strohig braun und sterben ab. In Parks und Gärten der Welt fallen ganze Hecken aus. Das einstige Muß am deutschen Gartenteich macht schlapp. Ahnungslos setzten die Deutschen mehrere hunderttausend Mark in den Sand. Hinter welken Blättern taucht Nachbars Garten wieder auf.

Unbeeindruckt von der ablaufenden „genetischen Uhr“ des Grüns verscherbeln Gartencenter das sterbende Gras nach wie vor. Bis zu stolzen 900 Mark bezahlte der Kunde einst für einen vier Meter hohen Bambus. Jetzt verfallen die Preise, verkauft wird dennoch. Die Bambus-Branche schneidet der Fargesia eilig Blüten oder Etiketten ab und verschweigt deren absehbares Ende.

Leichenfledderei. Noch vergangene Woche hatte Bayerns Blumenmulti Dehner „winterharten Gartenbambus, anspruchslos und dekorativ“ im Prospekt. In den Läden heißt die ungeliebte Fargesia murielae irreführend Thamnocalamus spathaceus – ihr ungebräuchlicher Zweitname. Das Hamburger Bauhaus nennt das Gewächs inzwischen China-Rohr. Nur hartnäkkige Frager erfahren, daß sich dahinter Fargesia verbirgt. „Wir haben zuwenig Personal“, so der Leiter Roland Lempfert lapidar. Ein Mitarbeiter des Münchner Gartencenters Seebauer: „Wer nicht fragt, hat Pech gehabt.“ Seebauer-Kundin Monika Volpe hatte Pech. Die Kassiererin wußte von nichts und nahm 44,90 Mark.

Einen dreisten Tip gab der OBI-Markt in Frechen bei Köln der Kundin Ingrid Wienold: blühenden Bambus besonders viel gießen. „Die kommen wieder“, verspricht auch der Daglfinger Blumenhof und verkauft Pflanze samt Blüte für 175 Mark. Versteckt liegt schon vertrockneter Bambus hinter dem Gewächshaus.

„Die lügen, daß sich die Balken biegen“, glaubt Bambusgärtner Henri Huber. Riesenmengen, so Werner Vogel, Präsident der Europäischen Bambusgesellschaft/Deutschland, würden noch verkauft. „Das muß man verbieten.“ Gleiches wollte bereits 1992 Fred Vaupel mit einer Anzeige wegen Betrugs erreichen. Doch dem Hamburger Bambusfachmann hätte die Staatsanwaltschaft geantwortet, ein Verfahren sei teuer und aussichtslos. Vaupels Meinung: „Blüht die Fargesia, stirbt sie zu 99 Prozent. Wer junge oder alte Pflanzen verkauft, ist daher kriminell.“

Für den pfiffigen Gärtner Eberts ist der globale Bambus-GAU eine Sensation wie der Halleysche Komet, für die Forscher ein ungeklärtes Jahrhundertereignis. Wie bei einer geheimen Verschwörung siecht der Gartenbambus in Europa, Nordamerika und Neuseeland nahezu wie auf ein Kommando dahin. Denn alle Ableger stammen von der Urpflanze ab, die der Engländer Ernest H. Wilson 1907 von China nach Amerika importierte. Jetzt, 90 Jahren danach, stirbt Wilsons Pflanze und mit ihr sämtliche Ableger. Der genetisch festgelegte Anfang vom Ende hat begonnen. Eberts: „Das Ding ist hin.“

In den deutschen Anbaugebieten um Pinneberg und Oldenburg läuft die Bambusproduktion weiter. Zwar läßt sich nur noch jede zehnte Pflanze verkaufen, doch kostet die Kompostierung pro Gras rund 50 Pfennig. Wilfried Brase aus Westerstede müßte allein 10 000 Mark zur Beseitigung seiner 20 000 Pflanzen berappen. Da will er erst mal abwarten. Brase: „Die meisten Gärtner machen weiter.“ Vereint bis zum Ende? Von der unzerbrechlichen Beziehung zwischen Mensch und Bambus wußten schon die alten Vietnamesen. Ein Sprichwort sagt: Der Bambus ist dein Bruder.

DAS ENDE DER GARTENBAMBUS-ÄRA

1907 brachte Wilson die Fargesia murielae (auch Sinarundinaria) nach Boston.

1913 nach London verschifft, verbreitete sich der Bambus schnell in ganz Europa.

1996 wachsen in Deutschland fünf Millionen Exemplare. Weil der Bestand in den nächsten Jahren stirbt, so Forscher, ist der Verkaufspreis rapide gefallen.

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